Ein Beitrag zum GenForum von Günter O. Cimiotti (24.7.2001)
Wie viele waren es, die zwischen 1730 und 1740 nach Amöneburg kamen? Waren es wirklich drei Brüder? Welchen Beruf hatten sie? Stukkateure? Kirchenmaler? Straßenbauer? Eisenbahner? In unseren Familienzweigen ist man da unterschiedlicher Ansicht.
In solchen Fällen halte ich mich immer an die Aktenlage. Leonard Cimiotti ist in Deutschland erstmals 1734 erwähnt, als er um die Bürgerschaft von Amöneburg nachsucht, da er die Tochter des Knabenlehrers Adam Stampfer ehelichen wollte. Ihm wird nach Erfüllung verschiedener Auflagen (Beibringung seines Geburtsbriefes und Zahlung eines Bürgergeldes) die Bürgerschaft gewährt. Dies geschah im Jahre 1735. Die Protokolle erwähnen nur ihn, keinen anderen mit dem Namen Cimiotti.
Nun stellt sich die Frage: Hätten denn zwei seiner Brüder ebenfalls in Amöneburg in der fraglichen Zeit sein können?
Leonards ältester Bruder Tommaso war bereits 1706 verstorben. Joannes, der 1697 geboren worden war, verstarb noch im selben Jahr. Bleibt der jüngste Bruder GioBatta. Theoretisch hätte er auch in Amöneburg sein können, denn dieser starb erst 1748 in der Carnia. Aber ein GioBatta ist in keinem Dokument aufgeführt.
Gab es in Amöneburg und Umgebung Bedarf an Stukkateuren, Kirchenmalern und Straßenbauern? Ganz sicher!
Im benachbarten Allendorf hatte man sich im Jahre 1730 entschlossen, den romanischen Kirchenbau wegen Baufälligkeit abzureißen und eine neue Kirche zu bauen. Wir haben hier eine zeitliche Nähe zu Leonard Cimiotti, der 1734 in den Protokollen erscheint. Nach dem Abriss der Kirche 1731 begann dann auch der Aufbau der neuen Kirche 1732. Interessant sind die bei Höck erwähnten Beteiligten an dem Bau (sh. Alfred Höck, Pfarrkirche St. Katharina, in: Stadtallendorf, Geschichte einer jungen Stadt, 1988, S. 63 ff.). Demnach wurde der Bauplan vom fürstlichen Hofbaumeister CHARLES L. du RY entworfen. Zimmermeister waren HESSE, ZOST und KLINGENHEBER, Baumeister war der Schöffe JOHANNES GNAU. Die Schreinerarbeiten wurden einem Meister aus Neustadt übertragen. Die Altäre wurden von VEIT DEALLER aus Oberbayern und dem Franzosen JEAN GRANDIDIER geschaffen. Der Bau der Kanzel und das Anbringen des Deckenstucks in den Jahren 1751/52 wurde von den Tirolern J. MICHAEL SCHRATZ und SIMON LANG übernommen. Auch hier findet man keine anderen Namen. Man kann mit einer gewissen Sicherheit sagen, dass Leonard Cimiotti an den o.a. Arbeiten nicht beteiligt war.
Aber wie war das mit der Stiftskirche in Amöneburg? Der Wiederaufbau der Stiftskirche war um 1700 im wesentlichen abgeschlossen (sh. Dr. Alfred Schneider, Stadt und Amt Amöneburg). Aus den Rechnungen der Stadt Amöneburg geht hervor, dass in den Jahren 1705 bis 1722 kleinere und größere Bauarbeiten anfielen. Auch in diesem Zeitraum ist niemand mit dem Namen Cimiotti erwähnt.
Bleibt noch der Straßenbau: Von einem nennenswerten Straßenbau in Amöneburg kann man erst nach 1817 ausgehen, also einer Zeit, in der die Familie bereits in der dritten Generation in Amöneburg ansässig war. Wie ein Großteil der Bürgerschaft so haben sicherlich auch Cimiottis an diesem Straßenbau mitgewirkt. 70 Jahre später finden wir im benachbarten Allendorf einige Familienmitglieder, die im Straßenbau beschäftigt sind. Daraus wird tatsächlich so etwas wie ein Traditionsberuf, denn noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts finden wir Familienzweige, die bei den Straßenmeistereien beschäftigt waren.
Auch der Bau der Main-Weser-Bahn, der 1850 bis Marburg/L. führte, sah möglicherweise Familienmitglieder daran beteiligt. Dokumente darüber liegen aber nicht vor.
Leonard stammte aus einer Händlerfamilie. Mindestens 2 Generationen vor ihm haben als "cramar" (friulanisches Wort für Händler) im benachbarten Kärnten ihren Lebensunterhalt verdient. Aus Protokollen und Eingaben Leonards ist zu ersehen, dass er auch Handelsmann war. Die Waren der Händler habe ich in den BLÄTTERN zur Geschichte der Familie CIMIOTTI (1985-1989) ausführlich beschrieben. Leonard scheint aber auch mit sakralen Gegenständen gehandelt zu haben wie ein Kelchtuch aus der Carnia, das aus seinem Nachlass stammt, zeigt.